Im Interview mit dosb.de spricht Oliver Stegemann, Präsident des Deutschen Sportakrobatik Bundes und Mitglied des DOSB-Präsidiums, über den Stellenwert des nicht-olympischen Sports in Deutschland.

Außerdem verrät der gebürtige Heidelberger uns sein sportliches Highlight in diesem Jahr und spricht über eine mögliche Bewerbung um World Games in Deutschland.

Herr Stegemann, welche Bedeutung hat das in der vergangenen Woche vorgestellte Grobkonzept von BMI und DOSB für die Weiterentwicklung des nicht-olympischen Sports?

Im Grobkonzept ist meines Erachtens das Sportfördergesetz der Baustein, der mit am wichtigsten ist. Denn dieses Gesetz ist für alle Spitzenverbände von enormer Bedeutung, um die Planung ihrer Maßnahmen endlich auf ein langfristiges Fundament stellen zu können. Und das schließt sowohl Spitzenverbände olympischer als auch nicht-olympischer Sportarten mit ein. Insofern wird es auch Auswirkungen auf die Entwicklung des nicht-olympischen Sports nehmen.

Im vergangenen Juli fanden die World Games in Birmingham, USA, statt, für den nicht-olympischen Sport das Highlight. Sie waren als Delegationsleiter vor Ort, wie war es aus Ihrer Sicht?

Die World Games in Birmingham waren wirklich ein außergewöhnliches Erlebnis. Da waren zum einen natürlich die überragenden sportlichen Leistungen des Team D World Games. Mit 47 Medaillen, davon 24 Gold, haben wir erstmals den Medaillenspiegel für uns entscheiden können. Besonders war auch, dass wir erstmals als unter dem Dach des Team D angetreten sind, eine gemeinsame Bekleidung hatten. Das war enorm wichtig für die Identifikation. Und was die Kolleginnen und Kollegen auf den Social Media Kanälen veranstaltet haben, war extrem gut. Dafür habe ich auch von den Verbänden sehr viel positives Feedback bekommen. Man kann auch daran sehen, dass der nicht-olympische Sport mittlerweile einen anderen Stellenwert innerhalb des DOSB innehat.

Juckt es da nicht in den Fingern, ein solches Event auch mal nach Deutschland zu holen?

Das tut es, in der Tat. Wir sprechen ja derzeit viel über eine mögliche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele, irgendwann in der Zeit nach 2034. Dafür haben wir eine Strategie erstellt, in der auch andere Sportgroßveranstaltungen eine Rolle spielen, um einerseits zu zeigen, dass Deutschland das kann. Und um andererseits auch die Begeisterung in der Bevölkerung zu wecken. Sich um die Austragung der World Games 2029 zu bewerben, macht durchaus Sinn und ist Teil unserer Überlegungen. Und es ist ja auch so, dass man bei den World Games Sportarten zu Gesicht bekommt, die durchaus Chancen darauf haben, in das olympische Programm aufgenommen zu werden. Es ist sozusagen ein Blick in die Zukunft der Olympischen Spiele.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des nicht-olympischen Sports in Deutschland derzeit?

Er ist definitiv auf einem guten Weg. Die herausragenden Ergebnisse bei den World Games sind Beleg und eine tolle Bestätigung dafür, dass der Aufwuchs der Fördermittel, die das Bundesinnenministerium zur Verfügung gestellt hat, sich ausgezahlt hat. Aber klar ist auch, dass noch viel zu tun ist, um den Stellenwert des nicht-olympischen Sports weiter zu stärken. Insbesondere wenn ich daran denke, Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern, gibt es gerade im nicht-olympischen Bereich viele Sportarten, die diese Zielgruppe ansprechen. Dieses Potenzial müssen wir unbedingt heben.

(Quelle: DOSB)